← Journal Aqualine · Musikvideo

„Tomb“ mit Aqualine: ein Musikvideo aus einem halben Drehtag

„Tomb“ mit Aqualine: ein Musikvideo aus einem halben Drehtag

Manche Musikvideos entstehen über mehrere Drehtage, mit großem Team und vielen Locations. „Tomb“ ist das Gegenteil davon – und gerade deshalb ein gutes Beispiel dafür, wo bei einem Musikvideo die Arbeit wirklich steckt.

Die Band: Aqualine aus Guildford

Aqualine sind eine fünfköpfige Alternative-Rock-Band aus Guildford, südwestlich von London. Ihr Sound bewegt sich zwischen Post-Punk, Grunge und Shoegaze: laut, wenn es sein muss, aber nie ohne eine melancholische Unterströmung. Inhaltlich kreisen ihre Songs um Themen wie innere Stabilität, das Gefühl, neben sich zu stehen, und die stille Last des Hochstapler-Syndroms.

„Tomb“ ist im Juni 2024 erschienen. Das Video sucht Bilder für genau diese Spannung im Song – zwischen Nähe und Bedrohung, zwischen Ruhe und Ausbruch.

Ein halber Drehtag, eine Location

Gedreht haben wir das komplette Video an einem halben Drehtag – an einer einzigen Location, im Studio von Follow Austria. Mit kleinem Team. Das klingt nach wenig, und es ist auch wenig. Aber es zwingt zu Entscheidungen, die einem Video oft guttun: keine Location-Wechsel, keine Umbauten zwischen weit auseinanderliegenden Sets, sondern volle Konzentration auf Licht, Kamera und die Band selbst.

Statt der Location wechselt deshalb das Licht. Kaltes, blaugrünes Licht für die Band als dunkle Wand im Hintergrund, ein harter Spot mit tiefem Schatten an der Wand, eine Sequenz komplett in Rot. Aus einem Raum werden so mehrere Bildwelten, ohne dass das Video wie aus einem Studio wirkt.

Sänger von Aqualine in der Nahaufnahme, im Hintergrund die Band im Dunkeln – Still aus „Tomb“

Die Bildsprache: unten, nah, unruhig

Viele Einstellungen sind aus der Untersicht gedreht. Der Sänger beugt sich über die Kamera, die Band steht hinter ihm wie eine Mauer – Nähe, die sich ein bisschen zu nah anfühlt. Dazu kommen Schwarzweiß-Passagen, in denen Gesichter fast grafisch werden, und Momente mit bewusster Bewegungsunschärfe, in denen das Bild dem Song nicht mehr ganz hinterherkommt. Und es gibt Momente, die fast ganz ohne Bild auskommen: eine Einstellung, in der nur noch die Augen aus dem Schwarz bleiben, und eine, in der der Sänger kopfüber in den Bildausschnitt hängt.

Die Band im roten Licht – Still aus dem Musikvideo „Tomb“ von Aqualine

Ein eigenes Element ist der Look im alten 4:3-Format: ein Spot, der den Sänger aus der Dunkelheit schneidet, abgerundete Bildränder, ein Bild wie von einem alten Film. Diese Passagen geben dem Video eine zweite Zeitebene und brechen den durchgehenden Druck der Performance auf.

Sänger im Spotlight, im 4:3-Filmlook mit abgerundeten Bildrändern – Still aus „Tomb“

Wo die eigentliche Arbeit passiert ist: im Schnitt

So kurz der Dreh war, so lang war der Schnitt. Aus einem halben Drehtag entsteht nicht automatisch ein Video, das über dreieinhalb Minuten trägt – das entsteht erst im Edit. Wir haben „Tomb“ über viele interne Fassungen entwickelt, bevor die Band die erste Version zu sehen bekommen hat: Rhythmus, Reihenfolge der Lichtwelten, wann die Kamera ruhig bleibt und wann das Bild ausbricht.

Diese internen Runden sieht am Ende niemand. Aber sie sind der Grund, warum die erste Version, die beim Kunden ankommt, schon nach einem fertigen Video aussieht und nicht nach einer Materialsammlung. Für uns ist das Teil der Arbeit, nicht ein Extra.

Nur die Augen des Sängers leuchten aus dem Schwarz – Still aus dem Musikvideo „Tomb“

Was „Tomb“ zeigt

Ein starkes Musikvideo braucht nicht zwingend viele Drehtage. Es braucht eine klare Idee, ein Licht, das trägt, und genug Zeit im Schnitt, um aus dem Material ein Ganzes zu machen. Gerade für Bands, deren Budget nicht für mehrere Drehtage reicht, ist das ein realistischer Weg zu einem Video, das sich nach mehr anfühlt.

Der Sänger hängt kopfüber in den Bildausschnitt, umgeben von Dunkelheit – Still aus dem Musikvideo „Tomb“

Wie wir bei Musikvideos sonst vorgehen, steht auf unserer Seite zu Musikvideo-Produktion.

Das fertige Musikvideo „Tomb“ von Aqualine: jetzt ansehen.

Das fertige Video
Projekt starten